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Montag, 17. Oktober 2016

Experten meinten, im September 2016 wird es in der Arktis kein Eis mehr geben - sie lagen ziemlich daneben

Eis, überall Eis!

Von Sarah Knapton für www.Telegraph.co.uk, 8. Oktober 2016

Die düsteren Prognosen, wonach die Arktis bis September diesen Jahres eisfrei sein würde haben sich wie die neuesten Satellitenbilder zeigen als substanzlos erwiesen, da es dort heute mehr Eis gibt als im Jahr 2012.

Wissenschaftler wie etwa Professor Peter Wadhams von der Cambridge Universität oder Professor Wieslaw Maslowski von der Marinegraduiertenschule in Monterey in Kalifornien haben immer wieder prognostiziert, dass das Eis bis 2016 weg wäre, was auch von der BBC und anderen Medien weiterverbreitet wurde.

Professor Wadham, ein führender Experte für den Verlust des arktischen Eises hat vor kurzem ein Buch mit dem Titel "Lebewohl, Eis" veröffentlicht, in dem er die Vermutung wiederholt, dass die Polarregion bis zur Mitte des Jahrzehnts eisfrei sein wird.

Noch bis zu diesem Sommer hat er den eisfreien September vorhergesagt.

Die am 10. September veröffentlichten Zahlen zum Jahresminimum an Eis zeigten, dass es noch immer 2 Millionen Quadratkilometer an Meereseis gibt (etwa 4,14 km³), was 21 Prozent mehr sind als der niedrigste Stand von 2012.

Für den Monat September insgesamt wurden 31 Prozent mehr Eis festgestellt als 2012, wie Zahlen des nationalen Schnee- und Eiszentrums zeigen. Insgesamt gibt es 1 Million Quadratkilometer mehr an Meereseis, was der fünftgeringsten Fläche seit Beginn der Aufzeichnungen entspricht.

Auch wenn ein schneller Blick auf die die bis zum Jahr 1981 zurückreichenden Satellitendaten für die letzten 35 Jahre einen eindeutigen Abwärtstrend für das Meereseis anzeigen, so haben Wissenschaftler Professor Wadhams und anderen vorgeworfen, "Wolf gerufen zu haben", was der Botschaft des Klimawandels schaden würde, weil sie "dramatische", "falsche" und "verwirrende" Prognosen abgegeben haben.

Professor Ed Hawkins, ein Professor von der Meterologiefakultär an der Universität von Reading sagte:

"Es gab einen prominenten Wissenschaftler, der regelmässig dramatische, und meines Erachtens inkonsistente Prognosen abgab, wonach wir heute unter eisfreien Bedingungen leben würden.

Es gibt einige ernste Risiken von fortgesetzten klimatischen Veränderungen und der schmelzenden Arktis, aber wir dienen weder der Öffentlichkeit noch den politischen Entscheidern, wenn wir die Risiken übertreiben.

Wir werden bald schon eisfreie Sommer in der Arktis erleben, aber es gibt auch die Gefahr des 'nach dem Wolf rufens', wo am Ende dann niemand mehr reagiert.

Mit dem Anstieg der weltweiten Temperaturen werden wir auch erleben, dass das arktische Meereseis zurückgeht, auch wenn das eher erratisch ablaufen wird, wie bei einem Ball, der einen Hügel runterspringt.

Ohne die signifikante Reduktion von Treibhausgasemissionen wird der Ball irgendwann unten angekommen sein, sprich, die Arktis wird eisfrei werden, was erst an wenigen Tagen während eines Sommers sein wird, dann während einiger Wochen eines späteren Sommers und dann wird es über die Jahrzehnte immer regelmässiger."

Es ist das neueste Beispiel, dass Experten alarmierende Prognosen abgeben, die dann aber nicht eintreten. Diese Woche wurde Umweltschützern bereits vorgeworfen, dass sie die Öffentlichkeit beim "großen Müllteppich im Pazifik" in die Irre führen, nachdem Luftaufnahmen zeigten, das es in der Mitte des Ozeans keine "Müllinsel" gibt. Ganz ähnlich wurde im Juni auch die Prognosen widerlegt, wonach sich die Ozonschicht nicht mehr schliessen würde.

Wissenschaftler warnen, dass solche Behauptungen von wirklichen Problem ablenken. Der Verlust des arktischen Eises ist ein großes Problem, da das Eis bis zu 70 Prozent des Sonnenlichts reflektiert, während Wasser nur etwa 10 Prozent reflektiert, was heisst, dass der Rest vom Planeten absorbiert wird, und weshalb sich die globale Erwärmung beschleunigen könnte. Eine massive Süßwasserschmelze könnte auch die weltweiten Ozeanströme unterbrechen und die Wassersysteme umlenken.

Seit über einem Jahrzehnt sind sich die meisten Wissenschaftler darüber einig, dass die Arktis bis 2050 eisfrei sein wird, auch wenn das IPCC berechnet hat, dass es eine 33 prozentige Chance gibt, dass das Eis noch da sein wird, selbst wenn die Emissionen jährlich steigen.

2007 aber hat Professor Wadhams prognostiziert, dass das Meereseis bis 2013 weg ist, nachdem in einem Jahr 27 Prozent verloren gingen. Allerindgs war das Niveau 2013 um 25 Prozent höher als sechs Jahre zuvor. Als es im Jahr 2012 ein weiteres Rekordtief gab änderte Professor Wadhams seine Prognose für 2016.

Diese Ansicht wurde von Professor Maslowski geteilt, der 2013 einen Aufsatz im Jahresjornal für Erd- und Planetenwissenschaften veröffentlichte, worin er behauptet, dass die Arktis bis 2016 eisfrei sein würde, plus minus drei Jahre.

Allerdings ist das Niveau weit weg von einem neuen Rekordminimum, wobei es das schnellste Wiedereinfrieren gab seit dem Beginn der Aufzeichnungen, da in nur drei Wochen nach dem Septemberminimum 1 Million Quadratkilometer an Eis entstanden sind. Das dänische meterologische Institut sagte, dass das Wiedereinfrieren schneller ging, als jemals zuvor, seitdem sie 1987 tägliche Aufzeichnungen darüber erstellen.

Andrew Shepherd, Professor für Erdbeobachung am Universitätscollege London sagte, es gäbe nun einen "überwältigenden Konsens", dass die Arktis in den nächsten Jahrzehnten eisfrei wird, warnte aber, dass ältere Prognosen auf reiner Extrapolation beruhten. Er sagte:
"Vor etwa einem Jahrzehnt schafften es die Klimamodelle oftmals nicht, den Rückgang an arktischem Meereseis zu reproduzieren, wie es die Satellitenbeobachtungen zeigten.

Ein Ergebnis daraus war, dass Ausreisserprognosen, die ausschliesslich auf der Extrapolation der Werte basierten, weit in die Öffentlichkeit getragen wurden.

Die Klimamodelle haben sich seitdem aber bedeutend verbessert und sie funktionieren inzwischen viel besser, wenn es darum geht Ereignisse der Vergangenheit zu prognostizieren.

Das heisst, dass wir ein größeres Vertrauen in ihre Aussagekraft haben und der überwältigende Konsens in der Wissenschaftsgemeinde ist, dass der arktische Ozean in ein paar Jahrzehnten effektiv frei sein wird von Merreseis, falls die gegenwärtige Rate des Rückgangs so weitergeht."

Professor Myles Allen von der Universtität Oxford fügte an:
"Für die Arktis wird lediglich prognostiziert, dass sie im September Mitte des Jahrhunderts eisfrei sein wird."

Die Wissenschaftler sagten, es sei eindeutig, dass das Meereseis zurückgeht, aber es gibt starke Fluktuationen zwischen den Jahren. Beispielsweise gab es 2013 eine 50 prozentige Zunahme im Vergleich zum Jahr davor.

Professor Jonathan Bamber von der Universität von Bristol sagte:
"Das diesjährige Minimum war das zweitniedrigste, das wir hatten, aber nicht so niedrig wie 2012. Es gibt aber in jedem Klimasystem immer eine gewisse Varianz, daher sollte man nicht erwarten, dass es jedes Jahr eine monotone Abnahme gibt.

Das Signal, das vom Rückgang des arktischen Meereseis ausgeht ist vielleicht das klarste beim Klimawandel. Das heisst nicht, dass es per Definition menschengemacht ist, aber es ist fraglos so, dass das Volumen in den letzten 40 Jahren im Mittel zurückging, und dass alle Indikatoren, die wir von den Klimadaten, der Satellitenüberwachung usw. zeigen, dass der Rückgang weitergehen wird."

Bob Ward vom Grantham Institut für Klimwandel und Umwelt fügte an:
"Peter Wadhams machte Prognosen, wonach es ein unmittelbares Verschwinden des sommerlichen Eises in der Arktis geben wird, was aber nicht so kam, allerdings zeigen die Zahlen, dass es weiterhin einen schnellen Rückgang gibt.

Die Entwicklung des arktischen Merreseis geht in jedem Monat des Jahres definitiv nach unten.

Die neueste IPCC Prognose zum Szenario mit den höchsten Emissionen besagt, dass die Arktis bis zum September 2050 mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent eisfrei sein wird."

Im Gespräch mit dem Telegraph gab Professor Wadhams zu, dass der Rückgang des Meereseises nicht so schnell von statten geht, wie er prognostizierte. Allerdings glaubt er noch immer, dass die eisfreie Arktis "in wenigen Jahren schon" normal ist. Er sagte:
"Meines Erachtens geht die Entwicklung beim Volumen an Sommereis unablässig zurück, weshalb das Volumen (und die Fläche) bald schon sehr niedrige Werte annehmen wird - und das in wenigen Jahren schon.

Das ganze muss man unterscheiden von den bizarren Prognosen, die von Computermodellierern gemacht wurden, die prognostizieren, dass das Sommereis noch bis spät in diesem Jahrhundert existieren wird, was aber völlig unmöglich ist."


Im Original: Experts said Arctic sea ice would melt entirely by September 2016 - they were wrong

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