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Freitag, 18. November 2016

Hört auf den Hass zu finanzieren: Eine hässliche, elitäre Kampagne drängt auf die Zensur der Presse



Von Brendan O'Neill für www.Spectator.co.uk, 16. November 2016

Die Intoleranz des 21. Jahrhunderts trägt eine progressive Maske. Studenten jagen im Namen des "Schutzes der Vielfalt" politisch unerwünschte Personen vom Campus. In Londons U-Bahn wird Werbung im Namen der Frauenrechte verboten. Rapper und Hitzköpfe dürfen nicht nach Großbritnnien einreisen, weil ihre Blödsinnigkeiten für unseren guten progessiven Lebensstil "abträglich sind". Und nun versuchen organisierte Linke und ihre Twitterkrieger mit dem Ziel, die Toleranz zu bewerben, auch die Boulevardzeitungen bestrafen und ihnen die wichtigen Einnahmequellen nehmen. Ja, Intoleranz - in diesem Fall geht es gegen das Recht einer Zeitung abzudrucken, was sie möchte - nennt sich heutzutage Toleranz.

"Hört auf den Hass zu finanzieren" ist eine neue Kampagne, die es auf große Unternehmen abgesehen hat - etwa Lego, John Lewis, Walkers Chips, Virgin - um sie dazu zu bringen, keine Werbung mehr in Blättern zu schalten, die sie als "Hasszeitungen" bezeichnen: Also in Boulevardzeitungen und in erster Linie in der Daily Mail. Das heisst, Linke, die eigentlich gegen Grosskonzerne sein sollten und insbesondere dagegen, dass Großkonzerne mit ihrem Geld politische Macht ausüben und sich in poitische Debatten einmischen, rufen nun Großsskonzerne dazu auf, Zeitungen zu schaden, die nicht ihrer Meinung sind. Sie wollen, dass die großen Unternehmen - Virgin etwa ist ein 19 Milliarden Dollar schweres Geschäft, Lego 5 Milllarden - Druck auf Zeitungen ausüben; sie wollen, dass sie ihnen mit dem Entzug des Geldes drohen, falls sie den Ton ihrer Berichterstattung nicht ändern. Legt man einmal all die Euphemismen bei Seite und all das Gelaber über die Bewerbung von Toleranz - dann muss man sagen, es ist hinterlistiger, bösartger Versuch, die Presse zu verängstigen und zu zähmen; ein Herumkommandieren der kapitalistischen Macht, um Zeitungen zu bestrafen und sie dazu zwingen, sich zu verändern. Das ist der Griff zur Zensur, kein Ruf nach Toleranz.

"Hört auf den Hass zu finanzieren" geht es vor allem um den Ton der Zeitungen seit dem EU Referendum. Ihnen gefällt nicht, was einige dieser offenbar niederen, rüpelhaften Zeitungen über die Einwanderung zu sagen hatten. Oder über Richter. Sie waren besonders verärgert, als die Daily Mail in heftiger Weise drei Richter kritisierte, weil sie urteilten, der Brexit sollte von den Abgeordneten entschieden werden, den "Feinden des Volkes". Man stelle sich nur vor: Eine Zeitung kritisiert die Judikative. Das darf so nicht stehen bleiben. Daher der Aufruf an die kapitalistische Klasse, Boulevardzeitungen zu bestrafen, diese fiesen Lächerlichkmacher von Richtern, diese säbelrasselnden Kritiker der eigentlichen Macht im Lande.

Es tut mir leid, aber wer versucht Virgin und Lego und große Einzelhandelsketten in die Pflicht zu nehmen, um der aufwieglerischen Presse das Geld zu entziehen, weil sie für den Brexit sind, gegen Richter schreiben und auch die Masseneinwanderung nicht ausstehen können, dann ist man im Geschäft der nackten politischen Zensur. Es ist eine Agitation gegenüber den Reichen, die Zeitungen für die Massen daran zu hindern, dass diese sagen, was sie denken. Die Akteure dieser Aktion sind sogar völlig ehrlich darüber. Einer der leitenden Organisateure meint, es geht darum, das "finanzielle Gleichgewicht" zu verändern, damit wir "an den Punkt kommen, an dem... man kein Geld mehr damit macht, wenn man solche Schlagzeilen bringt." Folglich werden solche Schlagzeilen nicht mehr veröffentlicht. Damit werden Dinge nicht mehr gesagt, unabhängig davon ob sie nun stimmen oder nicht, die man aber für interesant oder wichtig oder wahr erachtet, denn irgend so ein dicker Fisch hat damit gedroht, einem das Geschäft zu ruinieren, wenn man damit weitermacht. Man wird dazu gezwungen, sich nicht mehr zu äußern. Jeder, der so etwas für "tolerant" hält, der sollte sich schleunigst ein Wörterbuch zulegen.

Lego teilte mit, dass sie nicht mehr länger in der Daily Mail Werbung schalten würden, was bei diesen radikalen-und-doch-extrem-konservativen Drohmeistern gegen die Pressefreiheit viel Freude ausgelöst hat. In einer ihrer Petitionen wird bereits gejubelt, dass "die gegenwärtige Muttergesellschaft der Daily Mail besorgt ist, dass andere Unternehmen dem Beispiel folgen werden", und dass die Zeitung deswegen finanziell leiden wird. Mir ist es egal, wie sehr jemand die Daily Mail hasst - diese Leute betreieben gerade eine Verschwörung, die eine neue und furchterregende Art der Pressezensur zum Ziel hat.

Die Fusssoldaten dieser Aktionisten geben sich lustigerweise als liberal, allerdings treten sie in die Fusstapfen jener, die in der Geschichte immer wieder versucht haben, die Zeitungen über den Entzug ihrer Einnahmequellen oder der Werbepartner zu zähmen. In Italien waren es in den 1850ern Regierungsvertreter, die es nicht schafften, mit Hilfe "gesetzlicher Verfolgung" kritische Zeitungen zu schliessen, da haben sie dann zum finanziellen Hebel gegriffen, um die "oppositionellen Zeitungen in den Bankrott zu treiben". In den USA des 20. Jahrhunderts war es dem FBI nicht möglich, Zeitungen wegen dieses nervigen ersten Verfassungszusatzes einfach so zu verbieten, also haben sie stattdessen "subversive Mittel angewandt, um Zirkulation und Finanzierung dieser Zeitungen zu beschränken". Im Afrika der 1990er nutzten autoritäre Regime "Werbung als Mittel der Zensur", wobei die Bürokratie ärgerlichen Zeitungen damit drohte, ihnen die "Werbung zu streichen", was zu einer Situation führte, dass "viele Zeitungen sich dazu [entschlossen] sich selbst zu zensieren, um einer Schliessung zu entgehen".

Die Agitation von "Hört auf den Hass zu finanzieren", um den Zeitungen die Werbung zu entziehen ist keine einfache, gute und nette Tat, um die Konsumentenzu schützen. Es ist der Versuch, finanzielle Macht zu verwenden, um die publizistische Freiheit zu beschneiden und das in einer ganz ähnlichen Weise, wie es das FBI und die afrikanischen Diktatoren einst taten, als sie versuchten, die radikale Presse loszuwerden. Und wie alle Versuche der Pressezensur in der Geschichte, so ist auch dieser Versuch getrieben von einem umfassenden Misstrauen, wenn nicht gar Ekel, gegenüber normalen Menschen. Die Aktionisten sagen, sie jagen die Boulevardzeitungen, weil diese "Hass schüren", und weil "Worte wichtig sind, weil sie oft der erste Schritt zu tatsächlicher Gewalt sind". Kurz gesagt, sie der verblödete, mit einem Hühnergehirn ausgestattete Leser solcher Zeitungen könnte sich in ein wildes Tier verwandeln, wenn er Katei Hopkins Kolumne über Einwanderer liesst. Ist das progressiv? Bitte. Es ist elitär, widerlich und illiberal, wie grundsätzlich alle Versuche der Pressezensur.


Im Original: Stop Funding Hate: a nasty, elitist campaign for press censorship

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